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11.03.2010 von eb , - Aktuelle blogs

Nr.#241 Systemischer Stumpfsinn

Arbeiten für die Moral

Die ökonomische Theorie sozialer Interaktionen zeigt, dass die Sozialstaatsdebatte nicht mehr nur auf eine klassische monetäre Kosten-Nutzen Analyse reduziert werden kann.

Ach nee, ist ja ganz was neues. Ausgerechnet das Blättle, was seit Jahrzehnten mit monetären Alltagsbeschreibungen im Dienste des neoliberalen Dogmas der Gewinnmaximierung auch noch jede menschliche Regung tot gerechnet hat, kommt plötzlich darauf das dahinter noch andere Sachen zu berücksichtigen sind. Da hat wohl jemand eine der neueren Bertelsmann-Studien verkonsumiert. Man lasse sich nochmals den Satz auf der Zunge zergehen;

Die ökonomische Theorie sozialer Interaktionen zeigt...

Zwischen Theorie und Praxis gibt es immer noch Differenzen, wie man sieht. Die komplette Ökonomisierung des Menschen ergibt nach planstabsmäßiger Kalkulation, das nicht monetäre Faktoren zu berücksichtigen sind, um der Effizienz wieder auf die Sprünge zu helfen. Die Spannbreite geistiger Beweglichkeit über einen Fliegenschiss hinweg.

Ungefähr so gewaltige Denksprünge wie bei unseren alten, neuen Sozen, die in der Mitte aller gemeinwohlorientieren Mitten der Behaglichkeit einen Gegenkurs da sichten, wo der alte gerade vor die Wand gefahren ist. Das Denken dahinter ist mehr als offensichtlich. In Gehirnen, deren einzige Leistung darin besteht, Menschen über ihre Nutzbarkeit im Zeichen von unverändert exportorientiertem Welthandelsranking, und Kostenkalkulationen zu bewerten, muss man nicht erwarten Politiker oder Journalisten vorzufinden, die mehr können als alte Lieder ein wenig anders zu vertonen.

Gewohnt panisches Festkrallen am Dogma, um nur ja keine Energie beim Denken zu verbrauchen. Effizienz halt. Gewaltige Sprünge im Brotnapf von Industrie und Politik, die um jeden Preis alles beim alten halten will, und eisern die Mitte des Denkens dort festnagelt, wo sich auch noch jeder geruhsam zurück lehnen kann, solange es ihn nicht selber betrifft. Ein wenig Honig ums Maul ( Die Menschen in Deutschland sind extrem fleißig ) der willigen Leserschar, welche sachlich, vernünftig und politisch korrekt, unbedingt wieder Ruhe im Land der Rechenschieber haben will, und schon kann man zwei Seiten, bei gleichem Resultat, als unterschiedliche politische Richtungen verkaufen.

Was will man erwarten, von Menschen die es gewohnt sind seit Jahrzehnten auch noch jeden gesellschaftlichen Faktor auf seine Effizienz zu prüfen, und den Managern zum Fraß ihrer Tabellen und Modellsimulationen vorzuwerfen, die dann als Sklavenhüter über die Funktionalität eines Systems wachen, welches alles und jeden zur simplen Maschine reduziert, - und Moral nur dort sichtet, wo sie kalkulierbar dem Rechenschema nützt.

Ist noch niemandem aufgefallen, das mit steigendem Management, und damit steigendem Willen zur Vorauskalkulation und Steuerung, auch die Flexibilität den Bach runter geht? Wer von uns kennt nicht das Lied des Unternehmensmanagements, wo man evtl. gerade selber beschäftigt ist und sich gar nicht mehr retten kann vor immer kleiner werdenden Prozessen zur Prozessoptimierung, die das Gegenteil ergeben. Das ist die Gegenwart, und die Zukunft. Auf dem Markt, in der Gesellschaft, und in der Politik. Da gab´s früher mal so tolle Sachen. Ich meine so bei den Menschen. Intuition, Kreativität, Motivation, Begeisterung, Vertrauen. Ja Vertrauen. Sogar vom Arbeitgeber gegenüber seinen Arbeitnehmern, und Politikern gegenüber der Bevölkerung. Hat sogar gut funktioniert. War aber alles nicht kalkulierbar, und nicht profitträchtig genug. Also hat man es abgeschafft, und alles erstmal unter Generalverdacht gestellt. Und als Rationalisierungsfaktor innerhalb der Tabellenkalkulationen, den Arbeitnehmer gleich weitflächig mit. Ist ja auch kostengünstiger.

Um nochmals auf diese altbackenen Sachen wie Intuition, Kreativität, Motivation, Begeisterung und Vertrauen zurück zu kommen. Wenn man sie vom Rechenschema löst, wenigstens vom gewohnten, - und mal aus dem Bunker der Bertelsmannschen Sozioökonomie befreit, sind sie fähig dazu etwas zu bewirken nachdem krampfhaft gesucht wird. Neue Ideen, und Perspektiven.

Und komm mir jetzt keiner mit dieser blöden Sachlichkeit. Das ist keine Sachlichkeit, sondern das dumpfe Nachflennen festgefahrener Technohirne der Untergattung Homo-Ökonomicus. Diese Sachlichkeit ist nichts anderes als die Philosophie eines Reinhard Mohn, der glaubte man könne alles und jeden, und immer mit dem gleichen einseitigen Schema, statistisch erfassen, auswerten, bewerten, und in dementsprechend rein kalkulativ nutzbare Richtungen steuern. Ein Denken was sich über Jahrzehnte in die Köpfe der Menschen eingenistet -, sich bis auf die tiefsten Ebenen der menschlichen Verhaltensweisen ausgewirkt hat, - als neue Sachlichkeit verkauft wurde, und letztendlich vor lauter Sachlichkeit nicht nur in "geistiger" Stagnation enden wird.


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