21.11.2009 von eb
, - Aktuelle blogs
Nr.#146 John Keats
Für die Schöngeister,
und Romantiker unter uns.
Das ich einer der größten lebenden Fans von Leonhard Cohen bin, hab ich,
glaub ich, schon mal erzählt? Jetzt hätte ich hier liebend gerne den
Link auf ein YouTubeVideo gelegt, welches grade richtig gut rein passen würde.
Leider musste ich feststellen, das es ausgerechnet bezüglich dieses
Stückes Schwierigkeiten mit dem Urheberrechtsschutz hierzulande gibt.
Da bleibt nur übrig auf das Stück "Nightingale" auf der CD "Dear Heather"
zu verweisen, welche ich so, oder so empfehlen kann.
Dieses Stück entstand zum Gedenken an den befreundeten, und an Leukämie gestorbenen Sänger Carl Anderson, und wurde durch das Gedicht "Ode to a Nightingale" von John Keats
inspiriert. Die eigenen Gedichte von Leonhard Cohen hat man schon des öfteren in die
Nähe der, zumindest mal, Romantik gerückt, was man aber mit Vorsicht sehen sollte.
Nun, die englische Romantik, die wir auch gerne als Epochenumbruch in die ungefähre Zeit 1790-1850 eingrenzen, hat immer etwas mit den Rechten des Individuums, Prinzipien der Freiheit, und dem Begriff der Gleichheit aus der französischen Revolution zu tun.
William Godwin, gerne als Begründer des Sozialismus beschimpft, sah in der Demokratie die Übergangsphase zur Anarchie, glaubte aber an die absolute Rationalität und Vernunft des Menschen. Thomas Paine, bereits schon vorher bekannt, durch Abhandlungen gegen Sklaverei, und für die amerikanische Unabhängigkeit, und eigentlich Erfinder der Bezeichnung "Vereinigte Staaten von Amerika", kehrte nach England zurück, und machte mit einer Verteidigungsschrift die französische Revolution erst so richtig außerhalb Frankreichs bekannt. Ein Freund von ihm, - Edmund Burke, als eher Konservativer, sah die menschliche Vernunft skeptischer, und stand einem Staat deshalb immerhin eine gewisse Berechtigung zu, hatte aber Schwierigkeiten mit der Logik, was sich bei den Konservativen bis heute sogar noch verschlimmert hat. Thomas Robert Malthus, vermischte als Ökonom Ansichten über Arbeit und Werte, mit recht pessimistischem Blick auf Bevölkerungsprobleme, was spätere Evolutionsforscher zu einigen recht hässlichen Aussagen verführte, die in ihren Zusammenhängen ebenfalls bis heute nachwirken.
Glaube und Forschung waren irgendwie immer noch nicht richtig kompatibel, aber in
der Dichtung hatte sich weitflächig der Pantheismus durchgesetzt, und Gott war nun in allem, und ganz besonders in der Natur, welche wiederum die Inspirationsbasis der Dichtung wurde, die zusätzlich noch eine besondere Vorliebe für die Antike entwickelte.
Wie wir sehen, hat Romantik nicht unbedingt immer etwas mit "Kerzen anzünden", Lagerfeuerstimmung, oder Knutschen zu tun, - aber unbedingt etwas mit Bewegung, Leidenschaft, Hingabe und auch geistigen Veränderungen.
Doch jetzt geht es mir in keinem Fall um Politik, oder gesellschaftsphilosophische Ansätze, sondern ausschließlich um den hierzulande immer noch eher unbekannten Dichter "John Keats" selber, - der für mich seit langem eine zwar distanzierte und gespaltene, doch ganz besondere Bedeutung hat, die ich aber nicht verraten werde. Was mich allerdings nicht an dem Versuch hindert, ihn in separaten Texten vorzustellen, wobei ich mit der Person John Keats beginnen möchte, bevor seine Werke zu Wort kommen.
Zu diesen Werken zähle ich auch die Briefe die Keats an seine Freunde, und an seine Liebe Fanny Brawne geschrieben hat. Ohne diese Briefe hat man Keats nur zur Hälfte gelesen. Sie sind oft eine Art Musterbeispiel für das Niederschreiben von gerade auftauchenden Gedanken, aber auch manchmal das Gegenteil davon. Letzteres ganz besonders, wenn es um das geht was Keats selber immer als "Prinzip der Schönheit" zum eigenen Lebensinhalt gemacht hat, und dann mit dem praktischen Leben kollidierte. Und diesbezüglich kann ich jetzt endlich doch meinen Leonhard Cohen anbringen.
Auffällig in allen Briefen an Fanny Brawne, ist eine ständige Mischung aus Entschuldigungen, Selbstentschuldigungen und dem spürbaren Willen eine Vorstellung zu generieren, und - ja Leiden zu erzeugen. Ebenso vermitteln sie trotz geschriebener Leidenschaft ein Gefühl der Kühle, was sich nicht mit den sonstigen Werken Keats vergleichen lässt. Aber es lässt sich mit einem zynischen Songtext von Leonhard Cohen; "I´m your man" erklären, den er selber so kommentiert, - indem er sich die zehntausend Jahre alte Frage der Männer stellt, worum es den Frauen geht, und dabei erkennt das die Frauen sich diese Frage selber stellen, - und zwecks fehlender Lösung deshalb nun bereit ist alles zu tun, um sich die Zärtlichkeiten zu verdienen. Es ist die Manipulation über das Betteln auf den Knien, um sich zumindest die Leidenschaft der Vorstellung davon zu erarbeiten. Etwas, was Keats in sein "Prinzip der Schönheit" selber integriert hat, und auf interessante andere Weise sich in seinen Briefen widerspiegelt.
John Keats: Teil 1, Briefe, und das Prinzip der Schönheit.
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