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12.03.2010 von eb , - Aktuelle blogs

Nr.#243 Never ending story.

Alte, neue Ordnungsgier.

Ein Thema was anfängt gewaltig zu nerven, ganz besonders weil es mittlerweile beginnt Einzug in die ach so intellektuell neuzeitlich marodierenden Stammtische zu halten, - ist diese merkwürdige Mischung aus Systemtheorie, Evolution und Überbevölkerung. Als sinnvolle Vorüberlegung, bzw. Vorausplanung an Mann/Frau gebracht, ist dies für mich normalerweise der Zeitpunkt, mich leicht angewidert abzuwenden. Fragen bezüglich meiner Aversion dagegen, begegne ich mit Vorliebe durch die Gegenfrage was die Beschäftigung mit Evolution und Evolutionstheorie in Überlegungen zu Bevölkerungsproblematiken zu suchen hat. Wo steckt dahinter der wirkliche Sinn?

Das Ding hat schließlich Geschichte. Nicht die von Darwin, auch nicht unbedingt die der Evolutionstheorie, aber immer im Verbund mit Überbevölkerung. Nur im Kontext damit, war es immer möglich Ängste bei den Menschen dahingehend zu benutzen, um pseudowissenschaftliche Systemarchitektur im Zeichen von Auslese, Geburtenkontrollen, Ferilitätssteuerungen, Zwangssterilisation, Deportationen, entsprechend ausgelegte Land-, und Besitzverteilungen, bzw. gesteuerten Handel, Landnahme und Unterdrückung zu legitimieren, die in der Praxis immer dort geendet sind, wo die Theorie selber nie hin wollte. Wer glaubt in der Aufzählung was neues zu entdecken, täuscht sich. Das Schema der Schwarzseherei des Ökonomen Thomas Robert Malthus, aufgrund dessen nicht nur er, sondern auch Darwin und Spencer die Armen der Welt zu den sinnvollen Verlierern verargumentiert hatten, wiederholt sich für meine Begriffe all zu oft, wenn auch in unterschiedlichen Kontexten.

Von den geradezu barbarischen Auswüchsen im Zeichen des Kolonialismus, welcher ja auch aufgrund der Überbevölkerung Europas verargumentiert wurde, und den rassistischen Unmenschlichkeiten im beginnenden 20ten Jahrhundert mal ganz abgesehen, habe ich noch all zu sehr die Aktionen einer besonderen Form von Umweltschützern aus den 80igern im Kreuz, die sich ebenfalls, aufgrund der überreizten Aktionen des Ökonomen Dennis Meadows, wieder dieser unseligen Mischung aus Pseudowissenschaft, Ökonomie, Evolution, Soziologie, und Überbevölkerung angeschlossen -, und unter dem Deckmantel des Umweltschutzes ihre Menschenverachtung versteckt hatten. Ich bezeichne das heute noch als braun-grünen Sumpf der Selbstherrlichkeit. Durchaus gutmeinend, aber katastrophal endend in der Praxis. Hieraus ziehe ich auch meine Irritation bezüglich des Umstandes, das ausgerechnet Systemtheoretiker immer vom Gutmenschen sprechen. Es hat Menschen gegeben, die im Zeichen der gutmeinenden Rettung der Vielfalt der Arten, ganze Indianerstämme mit Syphilis verseucht haben, um Landschildkröten zu retten. Nur ein kleines von vielen Beispielen. Die Theorie mag stimmen, die Praxis der Durchführung liegt bei den Menschen die die Theorie benutzen.

Die Praxis sieht z.B. so aus, das man zwangsläufig hohe Säuglingssterblichkeit auch immer dort orten muss, wo große Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen sind, und das sind i.d.R. die ärmsten der Armen. Egal wie gut eine Theorie aussieht. Die praktische Umsetzung wird immer von denen ausgehen, die sich ihren eigenen Wohlstand sichern wollen, und den Bezug zur Gleichberechtigung aller Menschen darüber verlieren, und das systemische Messer ganz besonders dort ansetzen, wo man Einschränkungen am ehesten einem gleichgesinnten Publikum als bedauerliche Notwendigkeit zur Reduzierung der Säuglingssterblichkeit erklären kann. Gerechtigkeit, und Problembewältigungen weltweit über einheitliche Systeme erreichen zu wollen, ist für mich einer der naivsten Grunderwartungen überhaupt.

Was heute aus dieser Ecke kommt, ist ähnlich gesiebt. Auch hier findet man wieder die gefährliche Mischung aus Ökonomie, Ökologie, Evolution, im Verbund mit Überbevölkerung. Heutzutage sind es keine eindeutig identifizierbaren grünen Umweltschützer mehr, sondern eine Diskussion zwischen Neoliberalen und Neo-Malthusianern, die sich tatsächlich stellenweise selber sogar so nennen. Hier findet man, ganz im Sinne der unseligen Verquickung von Ökonomie und Ökologie schnell mal Begriffe wie Biomanagement im Zeichen der Biodiversität. Und auch hier wird mit Überbevölkerung und Evolution herum gespielt, als wäre es das harmloseste von der Welt.

Wer an harmlose Sachen glauben mag, sollte sich mal die finanziellen Abhängigkeiten von z.B. den Vereinten Nationen, und die Aussagen von Figuren wie z.B. Ted Turner, dem Gründer des CNN, und Geldgeber der UNO, sowie seine Verflechtungen anschauen;

Eine Gesamtbevölkerung von 250-300 Millionen Menschen, eine Reduzierung um 95 Prozent von der jetziger Grösse, wäre ideal.

An solchen Menschen, messe ich den schlimmstmöglichen Worst-Case als Resultat von gedankenlosen Wohlstandsmenschen und Systemfanatikern ab. Und der menschliche Worst-Case sollte auch immer die Basis bilden, wenn es um Diskussionen bezüglich Überbevölkerung geht. Denn die Mitbenutzung von Evolution in diesem Zusammenhang, stinkt geradezu nach Selbstentschuldigung für evtl. harte Maßnahmen.

Der Versuch, Ideologiedenken, ganz besonders im Verbund mit Ökonomie, und Ökologie, - in ein System zu pressen, legt immer die Kurzsichtigkeit von Menschen bloß, die glauben man könne alles berechnen, sortieren, katalogisieren, und dann entsprechend fadenscheinig menschlich handeln. Hinter dem Wort "Überbevölkerung" steckt schon alleine so etwas wie kalte Berechnung. "Über" im Sinne von "zu viel", und deshalb entsorgungswürdig, oder wertlos, bzw. schädlich für das Wohlbefinden derer, die dieses Wort benutzen. Ich sehe das Thema Bevölkerungszuwachs und daraus resultierende Probleme, keineswegs als Tabuthema, wie es immer gerne schnell vorgeschoben wird. Aber man kann es behandeln, ohne die doppelbödige Mitbehandlung von Themen aus der Evolutionsforschung.

Auch steht immer noch zur Debatte, ob es überhaupt ein Problem darstellt. Etwas was anscheinend vollkommen ignoriert wird, und mich schwer an eine Klimadebatte erinnert, wo auch alle bereits wissen was zu tun ist, bevor klar ist was Sache ist. Das riecht immer schwer danach das Interessen vorhanden sind, die mit allem möglichen, aber selten mit dem Problem zu tun haben. Der Umstand das wir in einer trenderzeugenden, angebotsorientierten Welt leben, scheint bei den wenigsten angekommen zu sein. Man kann sich diesbezüglich ruhig mal unterschiedliche Ansichten ansehen;

Zitat aus; Malthus reloaded

Heute leben knapp 7 Milliarden Menschen auf der Erde, die Wachstumsrate geht global gesehen zurück. Setzt sich dieser Trend fort, so stabilisiert sich die Weltbevölkerung den Projektionen der UN zufolge in etwa dreißig Jahren bei knapp 8 bis gut 11 Milliarden Menschen. Dass Menschen hungern ist also weder heute noch in absehbarer Zukunft eine Folge natürlich-technologischer Grenzen. Ganz im Gegenteil wird Hunger durch die Art und Weise verursacht, wie unsere Gesellschaft Entscheidungen über Produktion und Verteilung der Nahrungsmittel trifft.

Wenn Menschen verhungern, so ist das keinesfalls irgendwie natürlich, sondern darauf zurückzuführen, dass der Zugriff auf die notwendigen Technologien oder die damit produzierten Nahrungsmittel den Besitz einer ganz besonderen „Materie“ zur Bedingung hat: Geld. Auf der Tagesordnung steht deshalb nicht die Begrenzung des Bevölkerungswachstums, sondern der Aufbau einer solidarischen Ökonomie, in der die Produktion und Verteilung sich an den Bedürfnissen aller Menschen orientiert.


Natürlich sind solcherlei Berechnungen diskussionwürdig. Aber man fängt keine Debatte über Handlungen an, bevor die Grundsatzfrage nicht geklärt ist. Zumindest würde ich mich bei solcherlei Auseinandersetzung weitaus wohler fühlen, selbst wenn Überbevölkerung ein akutes Problem darstellt. Und wer aufmerksam gelesen hat, der wird in diesem Artikel weder das Wort Evolution, Darwin, Auslese, noch Selektion finden. Ich persönlich bevorzuge in dieser Richtung sowieso mehr Worte wie Ethik, Gerechtigkeit, und Recht auf Selbstbestimmung. Wobei ganz besonders letzteres das sein wird, was bei solcherlei Strategie zur Rettung der Welt, jene als erste verlieren werden, welche sich am wenigsten wehren können.

Auf irgendwelche Neueinsteiger und Trittbrettfahrer aus dem unteren Niveau der bundesdeutschen ThinkTank-Publizisten in Manier profitorientierter Zukunftsforschung, brauch ich hier erst gar nicht eingehen. Zum jetzigen Zeitpunkt bereits, mit als Theorien verkaufter Spekulationen auf zuwarten, kann man nur als verantwortungslose Arroganz bezeichnen. Was aus möglicher Theorie, in der Praxis alles werden kann, ist in der Regel das, wo nachher wieder keiner von gewusst hat. Deshalb sollte man auch mal die Frage erörtern, ob wir die Zukunft der Menschheit wirklich in die Hände von Systemökonomen und Managern legen wollen, die sich lediglich durch einen Hang zum kürzesten Weg des Wiederstandes, bei größtmöglicher Kontrolle auszeichnen, der am Ende wieder nur von Evolution spricht, und mit dem Rechenschieber durch die Hälse der Menschen fährt.


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