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06.06.2010 von eb , - Aktuelle blogs

Nr.#342 Systemtheorie

Nur für Hartgesottene.
Vorsicht, - gigantische Textwüste.

Flatter von Feynsinn hat es geschafft ein Bild unserer Gesellschaft mit ihren politischen Ambitionen zu zaubern, ohne die Menschen darin als Elemente eines Systems zu beschreiben. Ich werde nichts weiteres dazu schreiben, außer einer generellen Zustimmung mit hoher Sympathie und der schlichten Anmerkung, dass es verdammt gut getan hat ihn zu lesen. Jetzt hat das, was ich hier versuche zu schreiben nur insofern etwas damit zu tun, weil ich auf das Wort "System" in Bezug auf Menschen mittlerweile extrem allergisch reagiere. Und ich möchte versuchen zu erklären, warum das so ist. Vorher ist dabei zu verdeutlichen, dass ich sauber trenne, zwischen Menschen die aus Gewohnheit oder sonstigem alltäglichen Gebrauch damit umgehen, Menschen deren Motivation es ist nach so etwas wie einem perfekten System zu suchen, - und denjenigen die seit Jahrzehnten unser "systemisches" Denken als "Systemtheoretiker" prägen. Wobei die Sucher und die Präger, in Grenzbereichen leider oft nicht immer zu trennen sind.

Ich selber lehne mittlerweile jedes Systemdenken in Bezug auf Menschen ab. Dies auch, um zu versuchen mich meines eigenen Einflusses einer mechanistischen Denkweise zu entziehen. Für mich bilden Menschen eine dynamische Gemeinschaft, die sich generell der Grundsatzfrage stellen muss; Ist ein System für die Menschen da, oder umgekehrt. Dies kann man aus marktökonomischen Gesichtspunkten genauso betrachten, wie aus soziologischen, politischen, als auch gesellschaftlichen. Solange dies nicht geklärt ist, gibt es auch keine Chance sich im humanen Kontext der Frage zu stellen ob Menschen selber Teile eines Systems sind, was in jeder Form und rein logisch, die Versachlichung von menschlichem Leben bedeutet. Denn zwischen einem "unschuldigen", alltäglichen Gebrauch solcherlei Denkens und einem zeitgemäßen Mainstream, welcher sich an systemischen Vorgaben orientiert, gibt es gewaltige Unterschiede. Wobei die Macht und jedes Steuerungsverhalten, leider nicht auf Seiten dieser möglichen "Elemente" eines Systems liegt.

Um zu verdeutlichen, dass ausgerechnet die "systemischen" sich ausgesprochen unsystemisch und unsachlich verhalten bediene ich mich dabei, wie vielleicht mittlerweile schon zu merken ist, selber mal der eiskalten Sprache der Technokraten. Was mir nicht schwer fällt, denn das ist auch im Verbund mit Systemtheorie mein Job. Speziell gesehen ist es der Versuch, Menschen welche es lieben besonders schnell mit dem Begriff Systemtheorie um sich zu schmeißen, mal wieder auf den Teppich zu holen. Denn dies sind die Leute die im Moment unser eigenes entsprechendes Denken prägen. So ist es einmal ein Versuch zu zeigen, das selbst das mechanistische Denken vom menschlichen Selbstbetrug abhängig ist, und andererseits der Versuch ein Bild solchen Denkens überhaupt zu vermitteln. Denn den wenigsten scheint bewusst zu sein, wie kalt es dort wirklich ist.

Die Systemtheorie selber ist keine Erfindung der Ökonomen oder Politikwissenschaftler, sondern entstand in den 1920iger aus den Ingenieurswissenschaften. Hierzu muss erwähnt werden, dass das Studium des Wirtschaftsingenieurs zwar in der gleichen Zeit entstand, aber erst ab den 60igern überhaupt so etwas wie Nachfrage erfuhr. Die generelle Bezeichnung der "allgemeinen Systemtheorie" stammt vom Biologen Bertalanffy, welcher sich eigentlich mehr mit Philosophie und Physik denn mit Biologie beschäftigte, sich selber aber als Naturwissenschaftler sah. Genau genommen könnte man ihn im Sinne von Luigi Galvani als Biophysiker bezeichnen. Eine interdisziplinäre Wissenschaft, die heute z.B. im Zeichen der Erforschung interzellulärer Kommunikation mit Hilfe der Teilchenphysik einen ganz neuen Hype erfährt. Aber bereits betreffs dieses Mannes sind wir bei einem Punkt der gerne übersehen wird. Es gibt keine "allgemeine Systemtheorie". Auch wenn diese Phrase noch so oft benutzt wird. Da gibt es nahezu an die zwanzig verschiedene Wissenschaftsgebiete, welche alle für sich gezwungenermaßen eine ausgesprochen eigenwillige Sicht und Handhabung selbst des Begriffes "System" tätigen müssen.

Wenn wir von Systemtheorie sprechen, sprechen wir von einem interdisziplinären Diskurs aufgrund einer systemisch mechanischen Sichtweise zur Erfassung komplexer Zusammenhänge, bei welchem mittlerweile der Wille verborgen liegt aufgrund einer anfänglichen Analyse Zusammenhänge beobachten und evtl. kontrollieren zu können. Die einzige wirklich haltbare Gemeinsamkeit innerhalb der verschiedenen Fachrichtungen ist eine Diskursgrundlage aufgrund des ursprünglichen Gedanken aller, für eine "allgemeine" Theorie aufgrund einer naturwissenschaftlichen Basis. Wenn also jetzt irgendein Ökonom, ein Politfreak, ein Revolutionär oder sonstiger Liebhaber mechanistischer Betrachtungsweisen daherkommt und erzählt; "Die allgemeine Systemtheorie sagt;" ... dann redet er Blech. Zum einen handelt es sich hier um eine Vielzahl von unterschiedlichen (noch nicht einmal) Theorien mit einem relativ geringen gemeinsamen Definitionsspielraum-, zum anderen verleugnet er dabei unbewusst, oder bewusst rudimentärste Zusammenhänge, über die sich mittlerweile doch alle diskursweit einig geworden sind.

Und noch etwas weiteres kommt hinzu, nämlich das worum es mir hier ebenfalls geht. Das vollkommene Fehlen einer vernünftigen Verhältnismäßigkeit im Umgang mit vorhandenen Möglichkeiten, denen man aber trotzdem nachjagt. Dies hat speziell etwas mit der Veränderung zu tun, welches der Umgang mit systemischem Denken speziell im letzten Jahrhundert erfahren hat. Auch wenn es hie und da immer noch die ergrauten Analysten und Denker gibt, welche aufgrund vorheriger Beschreibungen-, bzw. Modelle Vergleiche anstellen und sich immer noch lediglich auf Analysen beschränken, - haben sich Vorgehensweise und Handwerkszeug insbesondere im Zeichen des Informationszeitalters auf das drastischste verändert. Aus der Systemtheorie als interdisziplinärem Erkenntnismodell, in welchem Systeme zur Beschreibung und Erklärung unterschiedlich komplexer Bedingungen und Abhängigkeiten herangezogen wurden, - wurde nach und nach, ein Analysemodell dessen Schwerpunkt sich auf die Möglichkeit zur Vorhersage des Systemverhaltens verlagerte. Der Begriff "System" und ein geistiger Umgang damit, wurde praktisch zum Non-plus-Ultra der Ingenieure und damit ist der Begriff System nicht mehr hauptsächlich an den Gedanken gekoppelt; "Was können wir darüber erkennen", sondern "Wie können wir es konstruieren, oder benutzen um etwas zu konstruieren". Das insbesondere die Kybernetiker, Robotiker, sonstige Computerspezialisten, Wirtschaftswissenschaftler, und auch Medizintechniker und Bauingenieure hier einen ganz besonders prägnanten Einfluss hatten brauche ich, glaube ich nicht zu erwähnen.

Aber indem man die Spezifikationen und Nomenklatur der alten Griechen diesbezüglich übernahm, wurde die Konstruktion aufgrund der Analyse praktisch zum Status-Quo der Systemtheorie an und für sich. Was einen nachhaltigen Einfluss auf alles andere hatte und vermehrt immer weiter, bis in die Bereiche der Soziologie und Politologie bekommt. Kurzum; Systemisches Denken, Systeme und Systemtheorie sind schon seit langem nicht mehr das Metier der Forscher, sondern das der Ingenieure und Konstrukteure. Natürlich war dies auch bereits schon vorher so, - selbst Leonardo da Vinci bezeichnete sich als "ingegnier", und der Mann hatte ein verteufelt gutes Systemverständnis, ganz besonders was die Konstruktion seiner militärischen Apparaturen betraf. Aber die Gewichtung zwischen Analyse und Konstruktion entsprach immer der quantitativen Verteilung zwischen Forschern und Ingenieuren. Etwas, was heutzutage oft nicht mehr zu trennen ist.

Mir fallen z.B. bei anderen blogs, als auch im privaten Leben immer wieder Menschen auf, die unter Systemtheorie und besonders im Verbund mit "allgemeiner Systemtheorie" etwas verstehen, was mit Denkertum und Analyse zu tun hat. Das die heutige Welt praktisch und im wahrsten Sinne des Wortes mit Systemtheoretikern, welche nicht mehr mit Reißbrett und Nickelbrille sondern mit Computern und Adaptionsmodellen arbeiten überschwemmt ist, scheint irgendwie unterzugehen. Eine zusätzliche Veränderung, welche breitflächig die Ingenieure, insbesondere in und um Maschinenbau, Elektronik, Kybernetik, und Robotik verursacht haben, ist der Wille der Kontrolle. Ein System muss kontrollierbar sein. Und ab hier, fängt die Geschichte an gefährlich zu werden. Denn nirgendwo sonst, tritt das mechanistisch orientierte Denken im Verbund mit Systemtheorie so offen in Konflikt mit der relativ harmlosen Analyse. Und es wird umso gefährlicher, je gewichtiger der Wille zur Konstruktion wird.

Was z.B. Wirtschaftswissenschaftler und Klimaforscher gemeinsam haben, ist der Gebrauch von Simulationsmodellen für komplexe und vor allen Dingen "dynamische" Systeme, ohne das diese Modelle bisher ihre Tauglichkeit beweisen konnten. Solange dies als Experiment oder reine Forschung bezeichnet wird, ist dem nichts anzulasten. Die Realität sieht aber leider so aus, dass sowohl in der Klimaforschung als auch in der Wirtschafts-, und Finanzwissenschaft bereits fertige Prognosen und Aussagen geliefert werden, aufgrund dessen auch schon Handlungen stattfinden. Betreffs letzterem sind mittlerweile alle Systematiken auf welchen wir unsere Existenz aufbauen, davon abhängig. Ein Zustand, den wir gerade mehr als schmerzlich in seiner Unsinnigkeit erfahren. Und alle diese Leute bezeichnen sich als Systemtheoretiker.

Ich möchte nochmals erwähnen, dass der Wille zur Beobachtung, Modellierung und Vorauskalkulation, - und bei Möglichkeit, auch Kontrolle eines Systems bei allen Disziplinen, auch bei den Soziologen und Politologen mittlerweile der gleiche ist. Im marktwirtschaftlichen Kontext entspricht diese Zielsetzung sogar dem absoluten Wunsch. Ich wiederhole dies aus dem Grund, weil es neben Politikern, besonders unter Esoterikern immer wieder Menschen gibt, die mit Begriffen wie Systemtheorie oft im Verbund mit Evolution, nur so um sich schmeißen. Systemdenken ist und bleibt, - mechanisches Denken aufgrund von Kausalitäten. Aus rein ökonomischen Gesichtspunkten ist dieses Denken immer mächtiger, als der Wille es vermischen zu wollen, was sich besonders deutlich darin zeigt, dass speziell solche Leute den technischen Sprachgebrauch genauso übernommen haben, wie allzu oft auch das Denken. Dabei entstehen z.B. so Blüten wie; "Das empathische System". Es spielt zwar keine Rolle, ob zu den bisherigen nochmals hunderte von "allgemeinen" Systemtheorien hinzukommen, aber wer ein System beschreibt muss schon fähig sein dazu, ein ganzes Jahrhundert konstruktiver Zielsetzung umzuschmeißen, wenn er dem Denken entkommen will, ein System nicht auch kontrollieren zu wollen.

Zur Erklärung der anfangs erwähnten Verhältnismäßigkeiten, erlaube ich mir mal ein Beispiel für ein sinnvoll beschreibbares, und eines für ein ebenso sinnvolles, aber nur annähernd beschreibbares System darzustellen, anhand dessen das heutzutage bereits vorhandene wissenschaftliche Handwerkszeugs verwendet wird, welches die Zielsetzung aller anderen Formen von systemtheoretischen Ansätzen darstellt.

Erde und Mond z.B. bilden aufgrund ihrer gravitationellen Abhängigkeiten ein gemeinsames System mit statischem Zyklusverhalten aufgrund mehrerer damit verbundener Abhängigkeiten. Die Astrophysiker werden jetzt aufgrund ihrer Sichtweise auf komplexere Zusammenhänge bezüglich eines dynamischen Systems laut aufschreien, aber in diese Richtung bitte ich jetzt einfach mal um Verzeihung. Genauso wie in Richtung der Baustatiker. Der kosmologisch und architektonisch unbedarfte Mensch erfährt diese Abhängigkeiten als visuelle und bei besonders sensiblen Menschen evtl. auch schlaflose immer wiederkehrende Zyklen in einem, in seiner statischen Gesamtheit unveränderlichem Bewegungssystem. (Zur Psychologie des Alltagslebens; Ich schlafe schlecht bei Vollmond, seitdem mir jemand erzählt hat, dass man bei Vollmond schlecht schläft.) Das Ganze dient auch nur als Vergleich für ein mit heutigen Mitteln ausreichend, und in Echtzeit erfassbares, modellierbares und kalkulierbares System mit nützlichem Verwendungsspektrum für alle Menschen.

Theoretisch kann man anhand der bekannten Erfahrungen und Informationen über dieses System voraussagen, wann der Mond welche Position zur Erde besitzt, welche gravitationellen Kräfte wirken und es wäre sogar möglich diesbezüglich ausreichend sichere Voraussagen für die weitere Zukunft zu treffen. Dazu gehört durchaus auch, dass ein simuliertes Modell des Systems benutzt werden kann, um rechnerisch die Auswirkungen des Einschlages eines anderen größeren Himmelskörpers auf unseren Erdtrabanten zu berechnen. Dies ist alles möglich, weil alle beteiligten Änderungen und Abhängigkeiten ausreichend genau, und vor allen Dingen in einem Zeitraum beobachtbar sind, welcher langsamer abläuft, als der Zeitraum ihn zu berechnen. Dies ist in diesem Falle mit Echtzeit gemeint. D.h. die Berechnung und weitere Modellierung aufgrund dieser Berechnungen sind immer schneller, als das tatsächliche Geschehen. Ein Zustand der es erlaubt, praktisch eine Simulation dieses Systems im Computer sogar visuell neben der Realität darstellen zu können.

Betrachten wir als Gegenteil ein hochdynamisches System, z.B. die Wechselwirkungen einer einzigen Wasserwelle. Es wird möglich sein, rein auf Erfahrungswerten beruhend, die Entwicklung, Richtung und auch sonstige Auswirkungen solch einer Welle im Voraus zu kalkulieren, solange die Umgebung in welcher sich diese bewegt keine unbekannten Einflüsse auf das Verhalten der Welle selber ausübt. Hier spricht man von einer erfahrungstechnischen Modellierung auf der groben Makroebene. Dies ist mit ausreichendem Equipment sogar noch in Echtzeit möglich. Eine weitergehende Modellierung eventueller tiefer gehender Mikroebenen ist bereits von großflächigen Unmöglichkeiten gesegnet, da die Komplexität, der auf den tieferliegenden Bestandteilen beruhenden Auswirkungen auf das Gesamtverhalten bereits das Maß der Erfahrungen und vorhandenen, bzw. im Moment des Geschehens erfassbaren Daten weitgehend übersteigt. Eine hunderprozentige Modellierung mit ebenso hunderprozentiger Vorauskalkulation eines eventuellen Verhaltens, würde die komplette Mikroebene bis in den molekularen Bereich betreffen, und übersteigt damit rein praktisch jede mögliche Kapazität und Erfahrung. Zusätzlich kommt ein Punkt hinzu, der alle weiteren Bemühungen in dieser Richtung weitgehend zunichte macht.

Es ist rein praktisch und auch technisch nicht möglich, quantitativ und qualitativ verarbeitbare Beobachtungen und Daten aus den Mikroebenen des dynamischen Systems "Wellenlauf" in Echtzeit zu erhalten. Damit sinken die Chancen auf sinnvolle Voraussagen drastisch. Ebenso ist keine Möglichkeit gegeben, in ausreichend verwendbarem Zeitrahmen sinnvolle Modellierungen abzubilden. Im praktischen Leben würde dies ungefähr so aussehen, dass sehr grob vorausbestimmt werden könnte wann, und wo ein Tsunami auf die Küste Australiens trifft. Irgendwelche genaueren Aussagen sind weder berechenbar, und selbst wenn, könnte die kleinste unbekannte Erhebung oder Senke auf dem Meeresgrund, eine Veränderung der Windrichtung, Einwirkungen unbekannter Strömungsverhältnisse, bis hin zu Veränderungen in Temperatur oder Oberflächenspannung des Wasserkörpers, selbst das Ergebnis im Makrobereich jederzeit komplett ändern.

Nun sind Naturwissenschaftler immer noch leidlich ehrliche Menschen, die zugeben ob der Status eines Handwerkszeuges Sinn macht, oder nicht. Bei den Klimatologen sehe ich bezüglich dieser Ehrlichkeit leider extreme Defizite. Noch schlimmer sieht es bei den Finanz-, und Wirtschaftswissenschaften aus. Denn während bereits schon eine einfache Welle, weder in Echtzeit erfassbar, noch ausreichend modellierbar ist, handelt es sich bei unserer Atmosphäre, dem Klima, als auch dem gigantisch hochkomplexen Gebilde was wir z.B. Finanzsystem nennen um betrachtbare Systeme, deren Komplexitätsgrad den der Welle nochmals um ein vielfaches übersteigen. Schon deshalb, weil die Umgebungseinflüsse auf das System selber, nochmals um Welten vielschichtiger sind.

Trotzdem bilden sogenannte Wissenschaftler, aufgrund von Simulationen und Modellierungen innerhalb ihres Verständnisses von Systemtheorie damit Prognosen und Empfehlungen, auf welchen Politik und Gesellschaft ihre Zukunft ausrichten. Überall in diesen Kontexten reden wir aber generell von Modellierungen bezüglich Zuständen und Systemen, welche nicht mal in Echtzeit erfassbar sind. Sehen wir uns in diesem Zusammenhang ruhig mal an, welche tatsächliche Hilflosigkeit diesbezüglich bei den Soziologen, welche auch gerne von einer "Allgemeinen Systemtheorie" sprechen, herrscht. Dabei offenbart sich auch recht schnell ein unbewusster Wille, die Dinge fassbarer zu machen, was wir besonders schön bei einem der Begründer der soziologischen Systemtheorie, Niklas Luhmann selber verdeutlicht bekommen.

Ich zitiere; Als Funktion sozialer Systeme sieht er die "Erfassung und Reduktion von Komplexität.

Merken wir etwas? Auch wenn er dies auf seine Ansicht auf das, was er als soziales System ansieht bezieht, versteckt er damit den eigenen Wunsch die Elemente eines Systems dem System gefügig zu machen, - weil es unmöglich ist, das System in seiner Gesamtheit zu erfassen. Dies ist für mich einer der Hauptgründe, Systemvergleiche mit und am Menschen generell abzulehnen. Im "mechanistischen" Denken lag bereits während der Ursprünge des Gedankens einer "Allgemeinen Systemtheorie" die Gefahr verborgen, "vorbeugend" einzugreifen um sich die Dinge passend zu gestalten. Und dies ist immer mit dem Versuch verbunden, Vielfalt zu reduzieren. Normalerweise könnte man dies als die wissenschaftliche Arbeit eines Soziologen bezeichnen, aber der Mann beruft sich nun mal auf die Systemtheorie und damit muss er sich selber dem auch stellen.

Systemtheorie fängt erst dann an Sinn zu machen, wenn ein ausreichend geschlossenes System eine ausreichend beschreibbare Übersicht gewährleisten kann. Ein "möglicherweise" soziales System ist weder isoliert zu betrachten von Umgebungseinflüssen, noch von ständig stattfindenden Änderungen. Tatsächlich hat es noch nicht mal einen eindeutig definierbaren Charakter. Somit gehört es zu den vollkommen "offenen" Systemen und hat damit einen Komplexitätsgrad, der weder die Bestimmung eines in sich abgrenzbaren Subsystems, noch eine Beobachtung in Echtzeit zulässt. Kurzum, rein datentechnisch versucht der Mann hier den Atlantik mit einer Kinderschaufel zu leeren, und ist aus Sicht der Systemtheorie einfach nicht ernst zu nehmen. Genau genommen, versucht er hier ein durchaus existierendes, aber "offenes" System operativ zu schließen. Auch dies ist nichts weiter als der versteckte Wunsch, die Elemente dem System unterzuordnen. Damit analysiert er nicht,- sondern konstruiert.

Wie gefährlich dieses Ingenieursdenken bei den Soziologen aber tatsächlich ist, zeigt vielleicht folgender Abschnitt;

Für die "humanistische Tradition" stehe "der Mensch innerhalb und nicht außerhalb der sozialen Ordnung. Er galt als Bestandteil der sozialen Ordnung, als Element der Gesellschaft selbst. Wenn er ´Individuum´ genannt wurde, so deshalb, weil er für die Gesellschaft ein nicht weiter auflösbares Letztelement war". Die Systemtheorie habe keine "Verwendung für den Subjektbegriff" und der Mensch "ist nicht mehr das Maß der Gesellschaft. Diese Idee des Humanismus kann nicht mehr kontinuieren".

Wesentlich sind für Luhmann Prozesse, nicht Individuen.....


Damit haben wir genau den Zustand, den wir heute als Sichtweise auf die Menschen haben. Denn wenn etwas stimmt, ist es nun mal der Umstand, das es für die Systemtheorie tatsächlich keine Verwendung für den Subjektbegriff gibt. Was die Frage automatisch aufwirft. Ist ein System für die Menschen da, oder die Menschen für das System. Für Luhmann sind die Menschen ziemlich offensichtlich dafür da, seinen Ansichten der Systemtheorie zu dienen.

Jetzt werden mir viele vorwerfen, dass ich dies zu eng oder gar zu technisch orientiert sehe. Oder dass man meine Beispiele aus dem All oder Wasser nicht auf politische, oder gar soziologische Systeme übertragen kann. Weit gefehlt. Das ist nämlich der Wille hinter einer "allgemeinen Systemtheorie". Ein Wille, der bereits von den Finanz-, und Wirtschaftswissenschaftlern annähernd erreicht wurde, wobei sie lediglich verschwiegen haben, dass ihr Handwerkszeugs nicht mal annähernd taugt. Wenn ich von "Wille" rede, dann nicht in dem Sinne von finsteren Gestalten die alles unter Kontrolle bekommen wollen, sondern vom ganz normalen mechanistisch konstruktiven Zeitgeist der auf das gleiche hinausläuft. Einem Zeitgeist, der das Denken von Geoingenieuren vermittelt und den Adorno und Horkheimer so treffend beschrieben haben. Der Zeitgeist, der gar nichts anderes hervorbringen konnte, - als "Systemtheorie".

Was die Menschen von der Natur lernen wollen, ist sie anzuwenden, um sie und die Menschen vollends zu beherrschen. Nichts anderes gilt.

Nochmals. Systemtheorie ist etwas, was mittlerweile von den Ingenieuren bestimmt wird. Eine rein abstrakte Sichtweise um Zusammenhänge beschreibbar, abbildbar, modellierbar, und vor allen Dingen, - darüber kontrollierbar zu machen. Es ist ein Handwerkszeug. Keine Philosophie. Und sowohl die Ursprünge als auch die Art damit zu denken, haben absolut etwas mit Maschinen, Elektrik, Elektronik, Bauwerken und allem zu tun, was man als Sache, oder Sachen betrachten kann, die irgenwie zur Konstruktion oder konstruktiven Veränderung taugen. Und die Funktion von Ingenieuren war selten die, selber Ideen zu haben, sondern die Ideen anderer zu realisieren. Dafür war dieses "systemische" Denken nötig. Und "Ingenieur" ist eine Berufsbezeichnung für ausgebildete Fachleute auf technischem Gebiet, wobei eine der Hauptaufgaben des Ingenieurs der Entwurf von Systemen ist.

Menschen waren dabei als Zielgruppe eigentlich nie vorgesehen. Ein Umstand der speziell von den Soziologen und Politologen in Abhängigkeit von den Wirtschaftsingenieuren durchbrochen wurde, und besonders in letzter Zeit diesbezüglich wahrhaft krankhafte Zustände annimmt. Der Umstand, das besonders in den letzten drei Jahrzehnten der schöne Beruf des Wirtschaftsingenieurs einen wahren Hype erfuhr, kann man noch genauso erklären wie den des relativ jungen Mediziningenieurs und vielen anderen mit großflächig technischem Background. Doch was ist z.B. mit dem neuen Beruf des Sozio-Ingenieurs und seinen sozio-technischen Systemen?

Um zum Schluss zu kommen. Wenigstens der Studiengang des Soziologen bedarf dringend einer ethischen Generalüberholung, oder wenn man denn tatsächlich auf einer "allgemeinen Systemtheorie" hier rum reiten-, und damit aus Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlern genauso Ingenieure basteln will, wie aus den Menschen die das dann betrifft, wenigstens eine vernünftige Vermittlung physikalischer Grundzusammenhänge aus der Naturwissenschaft. Sonst wird das langsam peinlich. Denn selbst wenn die Theorie dahinter von Geisteswissenschaftlern stammen und stimmen sollte, umgesetzt wird sie immer von den Ingenieuren. Und es hat noch niemals einen solchen gegeben, der die Finger von den Mikroebenen lassen konnte, oder es tatsächlich fertig brachte, mit unkontrollierbaren Systemen leben zu können. Es wird noch eine ganze Weile gehen bis alle merken, dass der klammheimliche Wunsch dahinter, rein quantitativ und praktisch nur realisierbar ist, wenn man die Elemente eines Systems dem System selber anpasst. Und solange das so ist, sollten wir die Menschen mal lieber nicht als System, oder Bestandteil eines solchen sehen.


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