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22.07.2010 von eb , - Aktuelle blogs

Nr.#376 Fettnapf

Hatte ich schon erwähnt, das ich gegen Kinderkrippen bin? (Übrigens auch gegen Kinder(g)rippen), Ok, dann verkünde ich das hiermit. Nicht das man mich falsch versteht. Ich bin nicht gegen Kindergärten. Ganz im Gegenteil. Kindergärten für alle, für jeden, von mir aus auch für die Erwachsenen. Die haben´s ganz besonders nötig, etwas mehr soziales Verhalten in der Gemeinschaft mal wieder spielend zu lernen. Kurzum, ich gehöre zu den 27 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung die Ursels von der politischen Leyenspieltruppe und ihre ideologische Nachfolgerin, deren Namen absolut unwichtig ist, - überhaupt nicht mögen. Und noch schlimmer. Ich oute mich in diesem Punkt, freiwillig als absolut Konservativer. (Wo ist jetzt die CDU, die was davon verstehen sollte ?) Schon möglich, dass es einfacher ist den schreienden Einjährigen in eine Kinderkrippe abzugeben, um unbelastet, termingerecht und endlich auch mal geschlechtlich gleichwertig dem Leistungstum frönen zu können. Das ist doch der Sinn dahinter, oder?

Ich werde euch was über Ein-bis-Dreijährige erzählen. Keine Zeit im Leben, ersetzt die ersten drei Jahre einer Verbindung Eltern zu ihrem Kind. Noch in der Puberpät des eigenen Nachwuchses und weit darüber hinaus, erkennen und leben alle Beteiligten das, was sich in diesen Jahren aufbauen ließ. Alles was sich unbewusst und instinktiv an Gefühlslagen, Empfindungen und Verständlichkeiten noch Jahre später nachvollziehen lässt, entwickelt sich in dieser Zeit. Das ist nicht mit Vernunft oder Rationalität zu erklären. Man fühlt es einfach. Alle diesbezüglichen Instinkte, auch viele Jahre später noch, die einem fast automatisch sagen, ob hier jemand traurig, fröhlich oder welcher Stimmung auch immer ist, werden in dieser Zeit fast zum Automatismus. Eine Nachvollziehbarkeit des Momentes, den nicht mal höchstverliebte, ja nicht mal Erwachsene die ein komplettes Leben zusammen waren, je so zustande bringen könnten. Wer diese ersten drei Jahre nicht versucht, auch wirklich jede erreichbare Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, vergeigt sich nicht nur die höchsten empathischen Fähigkeiten, zu denen ein Mensch überhaupt fähig sein kann, sondern auch die Möglichkeit sich ein Lernverhalten anzueignen, um auf jede neue Situation ohne Routine reagieren zu können, die so ein Kinder-, bis Teeanagerleben mit sich bringt.

Wenn ich der Mutter unseres Sohnes erzählt hätte, dass wir den Knirps in eine Kinderkrippe unterbringen könnten, hätte sie mir eiskalt und ohne Vorwarnung, mit einer Haarnadel die Gehörgänge von einem Ende zum anderen mit Frischluft versorgt. (Das ist symbolisch gemeint, ihr Nasen) Und das zu Recht. Auch wenn es verdammt schwer für alle war, die Geschichte in Deutschlands Kinderfeindlichkeit irgendwie terminlich auf die Reihe zu kriegen, so war jeder Moment traurig das Kind zu verlassen, und jeder Moment fröhlich es wieder zu sehen. Die einzigen Momente, an die man sich hier eher nicht gern erinnert, sind die, wo man die Nächte durchgewacht hat, weil der Nachwuchs krank war. Und es war immer zu wenig Zeit. Viel zu wenig Zeit. Absolut zu wenig Zeit.

Und da komm mir jetzt keiner mit Gender-Klischees. Die gab es bei uns gar nicht. Hier haben beide zu gleichen Teilen sich um ein Kind gekümmert und alles versucht, die umgebende Situation darauf anzupassen. Zu gleichen Teilen ihre Jobs, ihre Zeit, und alles was dazu gehört. Ob sie nun zusammen waren, oder nicht. Auch die üblichen Scheidungstheatraliken der Durchschnittsselbstverliebten auf Kosten ihrer Kinder, oder irgendwelche christlichen Familienideologien, war nie unser Thema oder Problem. Also behaltet eure Klischees bei euch selber. Wenn ich von Klischees rede, dann höchstens von lachenden Kindern mit einem Sozialverhalten, was man auch als solches bezeichnen kann.

Auch die mittlerweile akzeptierten Marktwirtschaftsverbesserungsvorschläge, Kinder zeitlich jetzt so zu entsorgen, das Elterns Willfährigkeit lieber dem Leistungshype ihres Staates zur Genüge reichen, indem beide jetzt bequem arbeiten gehen können, ist nichts anderes als Kinderfeindlichkeit. Sie stören ganz einfach, beim Aufbau der optimalen Exportnation. Und in der Kinderkrippe fallen dann Bertelsmann´s Bewerter, oder sonstige Formen nationaler Soziologenerkenntnisse über sie her, und stellen Leistungskurven für das optimale Lern-, und Karriereverhalten dann schon bei zweijährigen her. Fällt denn keinem auf, das hier schleichend eine vormalige Diskussion um mehr, und vor allen Dingen erschwingliche Kindergartenplätze, in eine Akzeptanz zu Kinderkrippen überführt worden ist? Mittlerweile nickt hier jeder mit dem Kopf, und findet das ganz toll. Moderner Zeitgeist, oder? Tut mir leid wenn ich den einen oder anderen enttäusche, aber die ganze Kinderkrippen-Dramatik, ist für mich nur ein weiterer Schritt in den Abgrund. Es ist Bequemlichkeit, um sich eine Entwicklung schönzureden, die in die vollkommen falsche Richtung geht.

Die anfänglichen Aktionen einer v.d. Leyen für mehr Engagement der Väter, und die Möglichkeit dies auch leben zu können, habe ich sehr begrüßt. Da hätte man darauf aufbauen-, und noch viel mehr daraus machen können. Es hätte alte Klischees bereinigen, und Bindungen vertiefen können, anstatt sie immer weiter markteffizient zu gestalten. Aber das war wohl zu kostenuneffizient und auch eher ein Ablenkungsmanöver. Meiner Ansicht nach sollte das Ziel eher sein, die Zeiten die Eltern und Kinder heute überhaupt noch zusammen verbringen können zu erhöhen, anstatt zu vermindern. Unterschiedliche Eltern bringen auch unterschiedliche Kinder. Das ist Vielfalt. Vielfalt, die in den ersten drei Jahren, durch eine höchst individuelle Prägung einer Verbindung zwischen Eltern und Kind ihr Höchstmaß erfährt. Natürlich gibt es schlechte Eltern. Eltern die ihre Kinder missbrauchen. Eltern die ihren Kindern alles andere als soziales Verhalten vermitteln. Was wollt ihr erreichen? Den ultimativen Konformismus? Kinderkrippen sind nur ein weiterer Weg zu Deutschlands soziologisch-marktwirtschaftlichem Konformismus. Nochmals, - tut mir nicht leid, aber ich lehne das rundweg ab.


Kommentare:

aebby Uhrzeit 22.7.2010 7:3:35

Noch so ein Konservativer, ich setze mich in den Fettnapf dazu. Letztendlich sind die Krippen nur ein Manöver um die abartige Kinder- und Familienfeindlichkeit zu vertuschen.
antiferengi Uhrzeit 22.7.2010 8:26:8

@aebby Willkommen im Club ;-)
Der Witz bei der Geschichte ist, dass zumindest in meinem Umfeld zwei von drei Leuten glauben das es sich bei der ganzen Diskussion um mehr Kindergartenplätze handelt. Mehr Kindergartenplätze will natürlich jeder. Das wäre auch positiv. Diesbezüglich infam, ist hier auch das Video von tagesschau. Da werden ausschliesslich ganz normale Kindergartenkinder über drei Jahre gezeigt, und ständig wird auch davon geredet Kita's auszubauen. Die 750.000 Plätze die gebaut werden sollen, sind aber Krippenplätze. Eben, für die 1-3 jährigen.
Esther Uhrzeit 22.7.2010 8:57:31

Jetzt sind wir schon drei. Ich bin auch gegen Kindergrippen ... ich denke an "Fremden in uns" von Arno
Gruen. Ich gehe zwar mit allen seinen Gedanken konform - aber dass durch Erziehung Mitgefühl und
Selbst(er)kenntnis - auf der Strecke bleiben KÖNNEN ... ist ja hinlänglich bekannt.

Die "bösen" Kinder sind aber Gefühl. Leben Gefühl. Also das was unerwünscht ist .... für mich ist es
letztendlich ein Art "Leben(digkeit)sfeindlichkeit" die sich u.a. in der Kinder- und Familienfeindlichkeit
widerspiegelt.
epikur Uhrzeit 22.7.2010 10:14:50

Ich bin da geteilter Meinung.

Einerseits kann ich eure Argumentation verstehen und nachvollziehen. Die ersten drei Jahre (ich würde sogar die esten fünf Jahre sagen!) sind immens wichtig. Und Kinder sollten nicht abgeschoben werden, nur damit man lohnarbeiten und seinen Reichtum mehren kann. Eltern sollten diese wichtige Zeit nicht einfach verstreichen lassen.

Auf der anderen Seite sind Kitas bzw. Kinderkrippenplätze ja nicht an sich schlecht oder böse. Kinder lernen dort auch sehr wichtige Dinge, vor allem auch den Umgang mit anderen Kindern, soziale Fähigkeiten. Und abgesehen davon, sind einige Eltern vielleicht mit dem Kind überfordert. Da kann so ein Krippenplatz nicht nur Entlastung für die Eltern, sondern auch fruchtbarer für das Kind sein, oder?
antiferengi Uhrzeit 22.7.2010 11:13:58

@esther Ich muss gestehen Grün's Buch nicht gelesen zu haben. Deshalb danke für den Tip. (Ich sehe du hast auch Schwierigkeiten mit dem k, und dem g ;-)

@epikur
Schlecht sind Kitas ganz bestimmt nicht. Ohne die Arbeit von Kindergärtnerinnen/gärtner, wäre es um so etwas wie ein soziales Gefüge im Lande wahrscheinlich noch schlechter bestellt. Aber der momentan konforme Begriff von Kitas sind Kindergärten. Und das sollte eigentlich mehr als reichen. Das Problem ist, das besonders hier mittlerweile kurssteuernd und betreffs dieses vernünftigen Lernens von Sozialverhalten sehr negativ eingegriffen wird, was selbst Kindergärten nicht mehr hunderprozentig vertrauenswürdig macht. Das betrifft die momentane Struktur. Bei zusätzlichen Kinderkrippen, wird das nicht besser werden.

Bezüglich Kinderkrippen, reden wir immerhin auch von der vollkommen diskussionslosen Schnelländerung jahrzehntelanger gelebter Erziehungs-, und durchaus auch Familientraditionen. Die jetzt einfach mal, einfach so geändert werden. Tatsächlich hat es noch nicht mal eine eindeutige Auseinandersetzung aus psychologischer Sicht zugunsten der Auswirkungen auf die Kinder gegeben.
Die bisherigen Statements in dieser Richtung sind einfach nur noch albern zu nennen. Es gibt weder dafür,... noch dagegen.... Also das nenn ich nicht verantwortlichen Umgang mit einer ganzen Generation. Und es lässt vermuten, das es auch gar keinen interessiert.

Die Motivation der Eltern selber ist ja schon bezüglich Kindergärten fraglich. Die geben im Großteil die Kinder ja nicht weg, damit diese Sozialverhalten lernen, sondern um der eigenen Zeitplanung gerecht werden zu können. Hier herrscht die gleiche Bequemlichkeit wie in den Schulen. Die Aufgabe Sozialverhalten zu vermitteln, wird auch hier den Lehrern überlassen. Da sollten wir uns nicht zuviel vormachen. Von daher ist das mit den überforderten Eltern eigentlich ein Totschlagargument. Überfordert sind sie, weil sie ihre Lebenssituation nicht bewältigen können. Das hat in den meisten Fällen aber etwas mit ihrer finanziellen und Arbeitssituation zu tun. Die Kinder kriegen das nur ab. Ich bestreite jetzt mal ganz waghalsig, dass die Überforderung sinken wird, weil die Kinder weggegeben werden können.

Der dritte Punkt ist für mich, das in Deutschland nicht individuell nach Bedürftigkeit entschieden wird, sondern nach Status-Quo. Sind Kinderkrippen erstmal etabliert, wird sie auch jeder nutzen. Wir können sicher sein, das die besser begüterten, als erste ihre Kinder in Kinderkrippen unterbringen werden, und auch diesbezüglich, wie bei Kindergärten, den Preis in die Höhe treiben. Damit wird aber auch landesweit, drei Jahre Möglichkeiten für eine Eltern-Kind Beziehung noch weiter reduziert, als sie es eh schon ist. Damit lernen weder Eltern, noch Kinder, mehr über Sozialverhalten, oder menschliche Bindungen. (wobei letzteres das entscheidende Kriterium für 1bis3jährige ist). Sozialverhalten hat etwas damit zu tun, sich mit dem auseinanderzusetzen was da ist, und nicht wie man es abgeben kann, um sich selber verwirklichen, oder/und mehr Geld verdienen zu können. Was hierbei alle Beteiligten lernen werden ist lediglich, - noch mehr menschliche Bequemlichkeiten, Konformität, und dass man gefälligst Leistung zu bringen hat.

Esther Uhrzeit 22.7.2010 16:14:40

*lach* Das kommt davon, wenn man schreibt ohne noch mal Korrektur zu lesen ... aber ja - in der Krippe
holt man sich schon mal ne Grippe :-)

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