Nach einem medienfreien Wochenende und erholsamer Beschäftigung mit anderem,
kommt man an der Neugier ums Tagesgeschehen leider nicht rum. Aber irgendwie
hat sich auch nichts verändert. Man hofft ja immer.
Aber immerhin erstaunlich, was so ein paar undichte
Löcher im Land der
geheimen Geheimnisträger so alles bewirken können. Selbst der Spiegel sieht sich
plötzlich gezwungen etwas als authentisch anzusehen, was der Authentizität seiner
eigenen vorherigen Wunschkulisse zuwider läuft. Aber irgendwie auch traurig. Vorbei
die Zeiten, wo jeder als Spinner oder Verschwörungstheoretiker im Blätterwald der
kritiklosen Kritik gebrandmarkt wurde, weil er mal behauptet hat, dass im Pentagon
mehr Sachen beschlossen werden, als ausgerechnet den Spiegeleiern der Nation zugänglich war. Vorbei die objektive Sachlichkeit der Abwinker, die den ehernen Kinderträumen
von strategisch positionierbaren Partnerwechseln, als nationale Bündnisse gegen den
Terror verkaufen konnten. Aber eine flexible Berichterstattung kann auch damit umgehen.
Flexibilität ist heute schließlich Status-Quo. Das beweist auch Herr Brüderle. Der will nämlich gerade die
Rentengarantie abschaffen. Herr Brüderle kann, wie wir sehen, eindeutig
zwischen Theorie und Praxis unterscheiden. Eine gegebene Garantie, welche als
Versicherung dafür gegeben wurde, dass im Zweifelsfalle oder bei Bedarf, etwas garantiert
ist, wird im Zweifelsfalle oder bei Bedarf zurückgenommen. Das sind zeitgemäße politische
Wertvorstellungen. Der Mann hatīs echt drauf, ernst genommen zu werden.
Ähnliche Probleme mit den kalkulierten Kostenträgern der aufkommenden
Rentenbeansprucher, hat nebem dem Senior- auch der Junior-Sunnyboy der FDP, Philipp
Rösler.
Bei den sattsam bekannten Aufbauern eines irgendwann mal in der Vergangenheit
existierenden Wirtschaftswunderlandes mit starkem Hang zur sexuellen
Fortpflanzung, sieht er eine unkontrollierbare Krankenkostensteigerung
im simplen Sachverhalt verborgen, dass ausgerechnet diese Klientel
das gleiche macht wie alle anderen. Sie altert. Das ganze passiert
aber merkwürdigerweise, laut Analyse erst seit drei Jahren. Dass ihn
das irritiert, kann ich verstehen. Dass aber das statistische
Bundesamt veranalysiert hat, dass ausgerechnet die politisch
geförderte Ausweitung der Beschäftigung Älterer, ein weiterer Grund für
die steigenden Kosten des Krankengeldes ist, wird ihn wohl mit seinem
Seniorpartner einen Kompromiss suchen lassen müssen, wo man eine
garantierte Nichtgarantie im Sparstrumpf verstecken kann.
Ebenfalls Probleme mit Garantien, hat Arbeitgeberpräsident Hundt im
immer noch arbeitgeberfreundlichen Wirtschaftsteil der
Süddeutschen.
Der hat Angst, dass die Zusage für die Einfrierung des Arbeitgeberanteiles
an der Kranken-Versicherungsbeitragserhöhung zurückgenommen wird.
Dem muss er natürlich als inoffizieller Vize-kanzler genauso,
wie in seiner Funktion als inoffizielle Deutungshoheit des Arbeitnehmertums
gegensteuern. Das macht er in gewohnter Manier, indem er der Regierung erzählt,
wie sie zu regieren habe und dass der beste Weg dahin ist,
seinen vormaligen Empfehlungen Folge zu leisten und Milliardenbeträge da zu holen
wo sich keiner wehren kann, - nämlich bei den Erwerbslosen.
Hier kann man sich zumindest auf Garantien verlassen. Der Mann ist eine
echte Garantie für sozialen Abbau und garantierte politische Einflussnahme.
Zu Duisburg muss ich leider trotz absolutem Widerwillens, zwecks lokalem Geiferumfeldes etwas schreiben. Irgendeine kollektive Trauerpflicht oder Geilheit nach der Suche eines Schuldigen, häng ich mir nicht an den Hals. Die ultimative A-Blogger Szene schlachtet hier auch nicht besser herum, als die mediale Skandalnudel oder der private Dozent juristischer Belange.
Immer schön, wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigen kann, um sich den Aufreger leisten zu können, auch ja eine Schuld auf wenige konzentrieren zu dürfen oder mit dem Satz zu glänzen, es schon immer gewusst zu haben.
1,4 Mill. aufgepushte Menschen in einer Stadt, die nicht mal die Hälfte davon Einwohner hat, konzentriert auf das Gelände eines alten Güterbahnhofes. 2007 waren es 1,2 Mill. Menschen in der Essener Innenstadt und einem Kirmesplatz. Glück gehabt. 2008 waren es 1.6 Mill. Menschen in einem 2 km langen Straßenstück und ein paar Parkplätzen in Dortmund. Glück gehabt. Bochum war es 2009 zu kritisch und hat abgesagt. Das Geschrei war riesengroß. Es hat Kritiker aber weitaus mehr Befürworter gegeben. Und jedes mal war ein Jahr Zeit, sogar von staatlicher Seite aus einzuschreiten.
Aber 1,4 Mill. Menschen wollten eine Party, haben sie bekommen, und es ist schon am Anfang schlimm geendet. Niemals wird es bei solchen Gigantospektakeln, dass richtige Gelände, ausreichende Sicherheit, noch jemals die richtige Einschätzung, noch jemals jemanden geben der keine Fehler macht oder die Ratschläge anderer anders beurteilt. Wäre nichts passiert, wäre es beim nächsten Mal der Hit gewesen. Jeder, geht zu solchen Events schon de-facto, mit dem Gefühl hin, dass es gut ausgehen wird. Die gewohnte Blauäugigkeit einer Sicherheitsverwöhnten Gesellschaft, die aber paranoid reagiert, wenn aus Sicherheit plötzlich Kontrolle wird. Für irgendwas muss man sich entscheiden können.
Dass die Veranstalter, genauso wie die Stadt an Profit und Kommerz gedacht haben, ist nun wirklich nichts neues. Was ist die Love-Parade seit über zehn Jahren, anderes als Kommerz? Glaubt irgendjemand, dass es in den Städten davor anders war? Und viele Millionen Menschen, haben das schließlich auch gewollt und gewusst. Jetzt so zu tun,
als wäre das was neues, ist erbärmlich.
Lasst den Betroffenen einfach ihre Ruhe und ihre Trauer.
Der Rest ist Banane und Wichtigtuerei.