
29.07.2010 von eb
, - Aktuelle blogs
Nr.#384 Experten über Moralin im Nebel der Sachlichkeit.
Hatte ich nicht mal probiert zu erläutern, was es bedeutet kleine aber gelungene
Absprachen innerhalb der
Systemtheorien vergessen-
und dabei den Unterschied zwischen denselben und Metaphysik nicht mehr wahrhaben zu wollen? Die FAZ sucht ja nun selber auch schon seit längerem den
Tempel der Vernunft,
aber bezüglich ihres Artikels über wissenschaftliche Beschäftigungen mit dem eben nicht gar so einfachen Begriff "Moral", muss ich ihr zugestehen eine ausgesprochen passende Übeschrift gefunden zu haben. Da vermute ich mal ganz unbedarft, dass hier irgendwo noch ein versteckter Rest von dem vorhanden ist, was erstmal wissenschaftlich bewiesen werden muss. Sieht aus, als würden da eine Menge Leute erst mal auf das Ergebnis warten wollen. Das kann dauern.
Die Sonderformen der heutigen Ingenieure wie z.B. Psychologen, Biologen und Neurologen versuchen also den Begriff "Moral" ganz sachlich über das metaphysische Schiff der offenen Systematik geschlossen beschreiben zu wollen.
Nicht, dass man mir jetzt vorwirft was gegen Metaphysik zu haben. Ganz im Gegenteil. Nur die hat ihren Sinn ja gerade darin, dem wissenschaftlich-"systemischen" Nachteil der fehlenden Möglichkeiten bezüglich offener Systeme entfliehen zu wollen, ohne den Maschinisten dabei ihr Handwerkszeugs zunichte zu machen. Ob nun Konstrukteure sich mit Metaphysik beschäftigen oder Metaphysiker versuchen systemisch konstruktiv vorzugehen. Das Resultat ist auch hier wieder mal erstaunlich neblig und hilflos, wenn selbsternannte Systemtheoretiker Statements vor Forschung machen.
Aber System hat nun mal System. Und Moral ist jetzt Wissenschaft.
Frei nach Sherlock Holmes wird erstmal das aussortiert, was der wissenschaftlichen Möchtegern-Seriösität nicht in den Kram passen könnte. Gott selber war´s also nicht. Immerhin. Unabhängig vom Grabenkampf zwischen Theisten und Atheisten, welche beide Glauben mit Wissen verwechseln, hat man es doch mittlerweile zur Schlussfolgerung gebracht, dass Moral eigentlich noch nie an Religiösität gebunden war.
Aber worum es geht, sollte man letztendlich im Artikel nachlesen. Worauf ich hier hinweisen möchte ist ein Umstand, der einfach in die Hose gegangen ist und den die Beteiligten selber immer wieder unter Beweis stellen. Es gibt kaum noch echte Systemtheoretiker und auch kaum noch echte Metaphysiker.
Dabei ist die Trennung zwischen Analyse und Konstruktion im großen Gemenge untergegangen, bei der beiden Prinzipien ins Vergessen geraten sind, welche aus genau diesen Gründen
aufgestellt wurden. Deren Nomenklatur aber immer noch gerne missbraucht wird, um rhetorisch Verkaufswert über Seriösität zu erhalten.
In einer Babywissenschaft, wie Elizabeth Phelps, Neurowissenschaftlerin an der New York University, die Moralpsychologie nannte, kann so viel Umhertasten nicht überraschen. Wie es etwa mit dem freien Willen steht, wird noch auf absehbare Zeit ein Rätsel bleiben.
Das sieht Frau Phelps vollkommen richtig, wobei besonders die Psychologen aufpassen sollten aus Moral keine Moralpsychologie zu machen. Eine Psychologie an der sich dann orientiert wird. Etwas, was uns ganz besonders der Neurologe Sam Harris vor Augen führt.
Im Vertrauen auf wissenschaftliche Logik fordert Harris uns auf, vor Werturteilen nicht zurückzuschrecken, ja statt einer intuitiven Moral eine universale Vorstellung von Gut und Böse anzustreben.
Was hier geschieht, ist die Übernahme der Sprache der Systemtheorie durch Metaphysiker, genauso wie der Wunsch der Systemtheoretiker nach Metaphysik. Genau genommen, riecht es sogar knüppeldick nach Esoterik, die sich von der Frage befreit hat, wer denn die universalen Werte aufstellt. Der Mix schlechthin im Nebel des gewollt konstruierbarem. Auf jeden Fall ist es Konstruktion zu Zeiten, wo die eigene Kollegin noch vom großen Umhertasten spricht. Die wissenschaftliche Logik ist vollkommen abhanden gekommen. Das Nichtwissen wird nicht mehr akzeptiert, sondern gefüllt. Und zwar durch die Intuition derer, die von Logik schwätzen, aber die Intuition ablehnen, - und dabei die Logik ad absurdum führen.
Einen erstaunlichen Satz aus der wissenschaftlichen Begründung des Nichtwissens, muss ich aber noch gesondert hervorheben, - um zeigen zu wollen, wie weit es mit dieser Logik tatsächlich bestellt ist, wenn offene Dinge geschlossen betrachtet werden;
Faktoren des Nettigkeitswachstums erkennt Bloom auch im Kapitalismus, der unter netten Menschen besser funktionieren soll, und den Weltreligionen, die in ihrer Dynamik wie Großgruppen wirken und Fremde daran gewöhnen, einander wohlwollend zu begegnen.
Das kann ich mir vorstellen. Josef Ackermann und seine Kumpels und Kumpelinen sind ganz furchtbar nett zueinander. Auch zu anderen. So nett, dass keiner merkt, wie gut der Kapitalismus ganz besonders unterhalb solch netter Menschen funktioniert. Moral als Schichtenmodell für Nettigkeit wo sie funktioniert sozusagen. Was Weltreligionen dann über Dynamik in Großgruppen wieder auflösen sollen. Unter den Kumpaneien der alten Männer dort ist nämlich auch echte Nettigkeit angesagt. Da sticht keiner dem anderen ein Auge aus. Und einige der alten Herren begegnen ihren Schäfchen auch tatsächlich ganz besonders wohlwollend. Die Frage ist nur; Was hat gerade das, mit Moral zu tun? Und wo ist hier die wissenschaftliche Berechtigung für logische Wertbeurteilung, .... ohne Intuition?
Der ganz nah am Problem liegenden Erkenntnis von Frau Phelps, dass Herz und Kopf neurologisch gesehen, gar nicht so leicht zu unterscheiden sind, wird man so jedenfalls nicht gerecht.
Wie gesagt, das dauert. Wir werden wohl warten müssen, bis uns eine Studie das wissenschaftlich fundierte Konstrukt für Moral liefert.
Denn wie sagt zitierter Sam Harris schon im Artikel, betreffs Wissenschaft;
Sie könnte sich glatt als neue Göttin fühlen.
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Kommentare:
Esther
Uhrzeit 29.7.2010 8:1:47
Der "wissenschaftliche Beweis" mutiert langsam zum "heiligen Gral". Viele wollen ihn, wenige suchen ihn und noch weniger bemerken, dass etwas er nicht gefunden werden kann. Jedenfalls nicht so - wie erhofft.
Das wenige was wirklich bewiesen werden kann ist jeweils an einen individuellen Kontext gebunden. Wir wissen ja nicht mal inwieweit unsere physikalischen Gesetze außerhalb unserer Erde - unseres Sonnensystems vorherrschen.
Ein alter Physiker sagte mal auf einer Konferenz, die Physik baue am Dachgeschoss immer wieder etwas Neues an - während man immer noch an der Gründung des Fundamentes arbeitet.
Wenn das in der Physik so schwer ist - wie schwer wird es da erst bei Lebewesen?
Ganz davon abgesehen erfüllen eine erkleckliche Anzahl von Studien - mit denen wir in den letzten Jahren überschüttet werden -
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antiferengi
Uhrzeit 29.7.2010 8:26:37
@esther
Viele wollen ihn, wenige suchen ihn
Das trifft wohl den Kern ;-)
Sorry, wegen der erneuten Freischaltung. Lag an der mailaddresse.
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