Eines der Lieblingswörter aus der Schublade der sachlichen Versachlicher, der Gefrierfach-Denker, und dem Ambiente der mit Systhemtheorie spielenden Ideologen schlechthin.
Objektivität. Fast schon ein Renner und immer gerne dann benutzt, wenn
sich jemand als kühler Überflieger der unendlichen Vernunft präsentieren will.
Fragen zum Weltwirtschafts-System? Zum Finanz-System?
Zum gesellschaftlichen "System"? Zum sozialen "System"?
Zum ökologischen "System"? Planungen für ein "System" zur Betrachtung der
Ferilitätsrate um "systemisch" steuern zu können?
Zum Fortpflanzungssystem? Na ja, gut, letzteres gehört jetzt nicht hierher, geb ich ja zu.
Wäre aber wenigstens ausreichend beschreibbar. Auf jeden Fall ist Objektivität angesagt. "Das muss man objektiv sehen"; spricht der
kluge Sachbearbeiter der Sachen. Der Objekte. Objekte, die man objektiv betrachten,
und objektiv behandeln muss. Also, die wertfreie, unparteiliche, unvoreingenommene, unemotionale und annahmefreie Beurteilung eines Objektes oder Sachverhaltes, bei höchstmöglicher Berücksichtigung aller Umgebungsfaktoren.
Also, mal sehen. Ich bewege mich also in einer ungefähren Entfernung von ca. 250 km über der Bundesrepublik Deutschland. Die Höhe ist nötig, um das gesamte Land im Blickfeld zu haben. Das benötigt man, um auch alle Interaktionen der Menschen, d.h. 80 Mill. davon beobachten zu können, damit eine sinnvolle Systematik des Gesellschaftssystemes bewertet werden kann, dessen Bewertung innerhalb eines echtzeitlichen Verhaltens, sich nicht maßgeblich so ändert, dass man evtl. alles nochmals von vorne beginnen muss. (Verdammt langer Satz). Hmmm. Irgendwas ist schief gelaufen. Ich sehe keine Menschen mehr. Also muss ich näher ran.
Gut. 2 km Höhe reichen, um eine ausreichende Übersicht über ein Dorf zu erhalten, bei dem man auch noch Menschen auf der Straße sieht. Sie bewegen sich. Ja, tatsächlich. Aber besonders aufschlussreich ist das nicht. Also noch näher ran. Die Sache irgendwie mehr von innen betrachten. Eine Kneipe. Gut. Viele Menschen, und man bekommt ein Bier. Ich kann also das gesellschaftliche Verhalten der Menschen, in einer Kneipe beobachten. Wenn ich das lange genug treibe, und so von Dorf zu Dorf ziehe, könnte ich in ein paar Jahren ein recht aufschlussreiches Bild über das gesellschaftliche Treiben in Deutschlands Kneipenszene zusammen kriegen. Vielleicht kann ich den Leberschaden ja von der Steuer absetzen. Und wie viele von den besuchten Kneipen dann noch existieren, weiß ich leider auch nicht mehr.
Also muss man das wohl anders angehen. Befragungen. Super. Das wird jetzt auch mal richtig ernsthaft organisiert. Ich beschäftige also etwas mehr als 1400 Menschen, die pro Tag so an die 100 Personen zufällig ermitteln, und anhand eines Fragebogens damit Telefongespräche führen können. Und das eine ganze Woche lang. Damit schaffe ich es, innerhalb einer Woche fast 1 Mill. Objekte, ääh Menschen zu befragen, deren Antworten ich dann mit einem "objektiv" selbstentwickelten Softwareprogramm, auf 80 Mill. interpoliere. Klasse, oder? Das kleine Problem, dass ich einen Fragebogen erstellen muss, über etwas, was ich erst ermitteln sollte, löse ich dabei natürlich ebenfalls ganz objektiv. Was die restlichen 79 Mill. in der Zwischenzeit gemacht haben, oder ob sie evtl. nicht in die Adaption passen, interessiert mich dabei nicht so sehr. Computer lügen nicht. Basta. Und meine Objektivität sowieso nicht. Ich bin schließlich Experte in so was.
Kann mir einer den Grund nennen, warum ausgerechnet ein Technokrat wie unsereiner,
langsam empfindlich reagiert, wenn er ständig mit Leuten konfrontiert ist, die
sich dadurch hervorheben etwas gegen Technokraten zu haben, dies aber mit einem
Vokabular gestalten, welches jeden "ehrlichen" Technokraten vor Neid erblassen
lassen würde. Warum braten ausgerechnet Bio-Bauern mit Systemtheorie herum?
Wieso erzählen Esoteriker was von objektiver Sicht auf Spiritualität und soziologischer
Systemtheorie? Weshalb quatschen Sozialpädagogen vom systemtheoretischen Paradigma der Sozialen Arbeit und Objekttheorien? Ist das braune Soße in Hirnen, die zwecks Mangels geistiger Eigenleistungen sich einer Baukastentheorie und Rhetorik unterwerfen, nur um mit Zwecksmäßigkeiten agieren zu können, deren Grundsätze sie noch nicht mal verstanden haben?
Die alte Luhman-Habermas Kontroverse, zugunsten des einfachen aber kalten Antihumanismus eines Niklas Luhmann? Um die logische Trennung eines Jürgen Habermas über wirtschaftliche und politische Systeme zu Lebenswelten nicht ertragen zu müssen? Subjektive Kommunikation
gegen den Schwachsinn, dass nur soziale Systeme kommunizieren können? Verständigung
gegen Differenz zwischen Information und Mitteilung? Moralische Verpflichtung
der Wissenschaft und soziologische Kritik an der Gesellschaft, gegen das in eine
Gesellschaftstheorie gepresste Resultat einer Evolution? Ich dachte, dass wäre zugunsten
des Humanismus geklärt? Aber wenn ich mir das Gehampel derer, die ständig von Systemtheorie schwätzen ansehe, muss ich feststellen das Luhmann gewonnen hat. Na, dann gnade uns Gott. Aber der passt dann auch noch in ein System.
Das was als Objektivität angesehen wird, ist bei Betrachtungsweise
eines offenen Systemes immer subjektiv. Ob dies nun von innen, oder
von außen betrachtet wird. Und die Systemtheorie, akzeptiert
keinen Subjektivbegriff. Eben darum, weil jedes mal dabei versucht wird
die Dinge passend zur Theorie zu gestalten.
Und man kann auch nichts da hin wünschen, wo nichts dafür vorhanden ist.
Oder die vorhandenen Subjekte mal eben so durch gewünschte
Objekte zu tauschen, damit man trotzdem noch damit herumspielen kann.
Die krampfhafte Adaption einer Theorie über freie Interpretationen,
macht noch lange nicht die Praxis dafür tauglich.
Wenn wir also offene Systeme betrachten, bleiben nur Annahmen übrig.
Und Annahmen, haben niemals etwas mit Objektivität zu tun.
Über "annehmen", bzw. "Glauben", kann man auch offen und ehrlich reden.
Ohne den diplomatisierten Plop der "objektiven Annahme" für "systemische"
Betrachtungen ins Hirn der Menschen zu waschen.
Man kann auch schlicht und einfach versuchen, sich
in die Menschen hineinzudenken. Aber das ist ja nicht objektiv, oder? Also,
was tun? Zumindest die Menschen mal wieder als solche betrachten und nicht
als Objekte. Wäre das eine Möglichkeit? Ich bin wahrhaft kein Anhänger alter
ergrauter Denker die immer wieder nach Bedarf zitiert werden. Aber in diesem Fall; Lebenswelten statt Systeme? Den großen Irrtum eingestehen, überhaupt versucht
zu haben Systemtheorie auf Menschen und ihre Umgebung anzuwenden?